Leistungsmessung an der Schule für Geistigbehinderte-
die Entwicklung eines kompetenzorientierten Verfahrens zur Zeugniserstellung

Spätestens seit der Bildungsplanreform im Jahr 2004 hin zu einem kompetenzorientierten Beurteilungsverständnis, wird Leistungsmessung künftig eine größere Rolle an Schulen spielen. Ihren Ergebnissen kommt für die Qualitätsentwicklung an Schulen eine wachsende Bedeutung zu (vgl. Weinert 2002, S.5). Schulische Leistungsmessung ist auf den Prüfstand zu stellen, wenn die individuelle Förderung von Kindern und Jugendlichen kompetenzorientiert unterstützt werden soll.

1. Kompetenzbegriff- Versuch einer Definition

Die pädagogische Diskussion, die sich seit dem Jahr 2003 rund um den Kompetenzbegriff herausgebildet hat, nennt verschiedene Definitionen des Kompetenzbegriffs. Ein Blick in die Literatur zeigt, dass sich vor allem der Kompetenzbegriff nach Franz Emanuel Weinert (2001) durchgesetzt hat. Weinert definiert Kompetenz als die bei Individuen verfügbaren oder durch sie erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, um bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbundenen motivationalen, volitionalen und sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten, die Problemlösungen in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können“ (Weinert 2002, S.27f.). Schüler sollen befähigt werden, Aufgaben zielgerichtet, intelligent und kenntnisreich anzugehen und Probleme erfolgreich zu lösen. Sie sollen Kenntnisse und Fertigkeiten für eine berufliche und persönliche Entwicklung sowie für Arbeits- und Lernsituationen erlangen (vgl. Landesinstitut für Schulentwicklung Baden Württemberg 2012, S.6).

Kompetenzen sind auf gegenwärtige und zukünftige Aufgaben und Anforderungen gerichtet, welche in veränderbaren und nicht festgelegten Situationen ausgebildet werden. Diese orientieren sich an der Lebenswelt der Schüler, um selbstbestimmt und verantwortungsbewusst tätig zu werden, Gemeinschaft sowie Gesellschaft kritisch mitgestalten zu können und zu einer gesellschaftlichen Teilhabe in allen Lebensbereichen zu gelangen (vgl. Bildungsplan der Schule für Geistigbehinderte 2009, S.8f.). In welcher Weise Schüler ihre Kompetenzen zeigen, ist nicht nur von Außenreizen, sondern auch von der Aktivität der Schüler abhängig (vgl. Bildungsplan der Schule für Geistigbehinderte 2009, S.14). Kompetenzen sind grundsätzlich erlern- und förderbar und gelten als relativ zeitstabil und veränderbar (vgl. Slepcevic-Zach 2012, S.28).

Während frühere Bildungspläne vorgaben, welche Inhalte zu unterrichten sind, beinhalten heutige Bildungspläne, welche Kompetenzen Kinder- und Jugendliche erwerben sollen. Auf diese Weise wird ein entscheidender Paradigmenwechsel von der Input- zur Outputorientierung vollzogen. Input beschreibt im schulischen Kontext die Vermittlung von Inhalten, Wissen und Kompetenzen. Am Ende werden die gelernten Inhalte überprüft. Dagegen bezeichnet Output die erbrachte Leistung eines Lernenden. Überprüft werden am Ende nicht die gelernten Inhalte, sondern die Kompetenzen.


Abbildung: Seminarunterlagen, Meckenbeuren

Ergänzend dazu beziehen Slepcevic-Zach und Hafner (2012) den Begriff der Performanz mit ein. Für sie bedeutet Kompetenz Wissen und Können in alltäglichen Situationen einzusetzen, was als Performanz ersichtlich wird. Nur die Performanz, also das was eine Person in einer bestimmten Situation zeigt, ist letztlich messbar und niemals die gesamte Kompetenz. (vgl. Slepcevic-Zach 2012, S.28f.). Um Kompetenzen im schulischen Bereich messbar zu machen und beurteilen zu können, ist es notwendig diese zu konkretisieren. Bohl (2001) definiert dazu, dass eine differenzierte, ergebnis- und prozessorientierte Erarbeitung von Kompetenzen den Kompetenzerwerb transparent macht und in ein zu beobachtendes und zu bewertendes Handeln transformiert. Die anschließende Abbildung soll dies verdeutlichen:


Abbildung: Bohl 2001, S.5.

Die ausgearbeiteten Kompetenzen stellen eine Vermittlungs- und Orientierungshilfe zwischen dem Kompetenzerwerb und der Beurteilung dar (vgl. Bohl 2013, S.10). Diese zeigen sich in allen Bildungsbereichen mit unterschiedlicher Gewichtung und verschiedenen Ausprägungsstufen.

2. Kompetenzorientierte Leistungsmessung

Schule und Leistungsmessung sind keine isolierten Bereiche. Leistungsmessung und Beurteilung sind Teil einer Leistungserziehung mit dem Ziel, Kinder und Jugendliche zu einer aktiven gesellschaftlichen Teilhabe zu führen. Schule hat einen gesetzlich verankerten Erziehungs- und Bildungsauftrag zu erfüllen. Im Zentrum dessen steht die Persönlichkeitsentwicklung und Kompetenzerweiterung, um ein möglichst selbständiges Leben führen zu können (vgl. Bildungsplan der Schule für Geistigbehinderte 2009, S. 8). Mit Hilfe der Leistungsmessung und Beurteilung kann eine Rückmeldung an das beurteilte Kind sowie dessen Eltern stattfinden. Zugleich stellt es eine Rückmeldung für zukünftige Lehrkräfte, für weiterführende Schulen oder für Lehrbetriebe dar.

Die Begriffe Leistungsbeurteilung und -messung werden oft synonym verwendet. Bei der Leistungsbeurteilung wird die erkannte Leistung auf eine bestimmte Norm hin interpretiert, bewertet und beurteilt. Es wird eine Stellungnahme zum Leistungsstand in einem Fach abgegeben (vgl. Klein 2009, S.19). Im Unterschied dazu zielt Leistungsmessung auf die Feststellung und Überprüfung curricularer Kompetenzen, wie der Aneignung von bestimmten Inhalten, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Kenntnissen, Erkenntnissen und Einstellungen ab (vgl. Klein 2009, S.19). Um einer kompetenzorientierten Leistungsmessung und Beurteilung in Zukunft gerecht zu werden, sind entsprechende Gütekriterien gefragt. Bohl (2001) nennt dazu die kontrollierte Subjektivität und kommunikative Validierung. Unter kontrollierter Subjektivität wird verstanden, dass neue Formen der Leistungsmessung eine rechtliche Freiheit benötigen und gleichzeitig die üblichen Bewertungsgrundsätze und rechtliche Grundlagen nicht außer Acht gelassen werden. Die kommunikative Validierung bezieht sich auf die Konkretisierung und den gemeinsamen Prozess im Kollegium, um Kriterien für eine kompetenzorientierte Leistungsmessung zu formulieren (vgl. Bohl 2001, S.10). Ein weiteres Merkmal ist die Transparenz. Für den schulischen Kontext bedeutet dies, dass sich die formulierten Kriterien in einem beobachtbaren Verhalten zeigen und in einem Skalenniveau bewerten lassen (vgl. Heller 2002, S.90). Die Kompetenzen werden dadurch transparent.

3. Zeugnisse

Zeugnisse sind Urkunden und rechtlich von Bedeutung. Die Verwaltungsvorschrift für Zeugnisse und Schulberichte an Schulen für Geistigbehinderte gibt vor, dass „Schüler für jedes Schuljahr ein Zeugnis in Form einer Beschreibung und Bewertung ihrer Bemühungen, ihrer Fortschritte und ihrer erreichten Leistungen unter Berücksichtigung ihrer persönlichen Fähigkeiten erhalten“ (Verwaltungsvorschrift des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport Baden Württemberg, 2009). In der Schule für Geistigbehinderte erfüllt ein Zeugnis mehrere Funktionen. Zum einen werden Eltern über den individuellen Entwicklungsstand und den Stand des Bildungsprozesses ihres Kindes informiert. Zum anderen kann das Zeugnis als Grundlage einer differenzierten Beratung oder als Basis für Förderplangespräche mit den Eltern dienen. Es können Aussagen über Fördermaßnahmen und die Wirkung erfolgter Maßnahmen gegeben werden (vgl. Meyenberg 1997, S. 40f.). Die Beurteilung von Schulleistungen mit Hilfe von Kompetenzbeschreibungen beziehungsweise „standardisierten Kompetenzrastern führt zu einer differenzierten Beschreibung von Ist-Stand, die die Arbeit mit individuellen Förderplänen, Differenzierung im Unterricht und Elternarbeit unterstützt“ (Verband Sonderpädagogik 2013, S.1f.) und sich förderlich auswirkt. Ein solches Kompetenzraster kann in Zukunft die inhaltliche Zeugnisgestaltung wegweisend verändern, nämlich zu einem kompetenzorientierten Zeugnis. Die wesentlichen Vorteile liegen darin, dass sich Kompetenzraster auf verschiedenen Niveaustufen definieren lassen, eine individuelle und inhaltsreiche Beurteilung von Schülern mit unterschiedlichsten Entwicklungsausgangslagen ermöglicht wird, eine differenzierte und nachvollziehbare Rückmeldung über Entwicklungs- und Leistungssteigerungen gegeben werden kann und Vergleiche innerhalb eines Schülers über verschiedene Schuljahre angestellt werden können. Die Entwicklung von Kompetenzkriterien gibt dem Zeugnis eine inhaltliche Einheit innerhalb einer Schule vor. Auf dieser Grundlage werden Lehrkräfte angehalten, Schüler genauer im Hinblick auf die aufgeführten Kompetenzen zu beobachten und sich mit den verschiedenen Kompetenzaspekten auseinanderzusetzen. Womöglich kann dadurch auch vermieden werden, dass voreilige Schlüsse über Schüler gezogen werden. Zudem soll die neue Zeugnisform zu keinem Mehraufwand beim Erarbeiten führen, sondern viel mehr zu einer Transparenz über die Kompetenzen des einzelnen Schülers (vgl. Verband Sonderpädagogik 2013, S.4). Dabei ist Transparenz ein vielseitiger und relativer Begriff. Es ist zu überlegen, wie ein Maximum an Transparenz erreicht werden kann, damit die Kompetenzen von allen Beteiligten verstanden und nachvollzogen werden können (Klein 2009, S.22). Anforderungen, die an das Zeugnis gestellt werden sind:

  • informativ zu sein aber nicht festschreibend;
  • die individuelle Entwicklung entsprechend der aufgeführten Kompetenzen aufzuzeigen;
  • die Bewertung zu begründen und verständlich zu machen.

4. KompetenzorientiertesZeugnisverfahren

4.1 Zielsetzung und Entwicklung

Das kompetenzorientierte Zeugnis entstand im Rahmen der Schulentwicklung an der Sonnenbergschule im Bereich der Leistungsmessung. Ziel war eine Neukonzeptionierung des Zeugnisformats. Statt Berichtszeugnissen sollte ein kompetenzorientiertes Rasterzeugnis mit abgestimmten Kriterien, Individualisierung und Vergleichbarkeit in der Schule entwickelt werden. Dies wurde ab Februar 2013 gemeinsam mit der Schulleitung und dem Kollegium der Sonnenbergschule sowie zwei Informatikern gestaltet. Grundlage dessen war der kompetenzorientierte Bildungsplan der Schule für Geistigbehinderte(2009).

Die Zielsetzung, vor Beginn der Entwicklung bezog sich auf technische und inhaltliche Ziele:

Technische Zielsetzung

Inhaltliche Zielsetzung

Individuelle Zeugniserstellung und Gestaltung.

Entwicklung eines Kompetenzrasters mit differenzierten Kompetenzen in Anlehnung an den Bildungsplan der Schule für Geistigbehinderte (2009).

Zeitersparnis und Arbeitserleichterung bei der Bearbeitung und Erstellung der Zeugnisse.

Verschiedene Niveaustufen für eine inhaltsreiche und individuelle Beurteilung, um der heterogenen Schülerschaft gerecht zu werden.

Entwicklung einer Webplattform mit einem benutzerfreundlichen Profil und leicht bedienbarer Oberfläche.

Transparenz der Kompetenzen und eine nachvollziehbare Rückmeldung über Entwicklungen- und Leistungssteigerungen.

Abgestimmte Kriterien für eine Vergleichbarkeit eines Schülers über mehrere Schuljahre.

Inhaltliche Einheit des Zeugnisses innerhalb einer Schule.

An der Sonnenbergschule wurde für die Entwicklung eine Zeugnisgruppe gebildet, welche sich über mehrere Monate intensiv mit den Kompetenzen des Bildungsplans der Schule für Geistigbehinderte beschäftigte. Zunächst wurde ein Raster für das Zeugnis mit unterschiedlichen Niveaustufen für eine individuelle Beurteilung, entwickelt. In einem weiteren Schritt wurden die Bildungsbereiche des Bildungsplans der Schule für Geistigbehinderte (2009) für das Zeugnis definiert und Begrifflichkeiten für eine gemeinsame Erarbeitung festgelegt.

Nachdem das Gerüst in Form eines Rasters mit den Bildungsbereichen und einer Skalierung für das Zeugnis definiert war, konnte die Kompetenzformulierung anhand des Bildungsplans der Schule für Geistigbehinderte (2009) und entsprechender Literatur für die Bildungsbereiche beginnen. Um Transparenz und Verständlichkeit zu erreichen, mussten die Kompetenzen in einer einfachen, adressatenbezogenen und geschlechtsneutralen Sprache formuliert werden. Zudem war es sehr wichtig die Kompetenzen zu konkretisieren, damit diese beobachtbar und zu bewerten sind.

Für eine einfache Bearbeitung des Kompetenzrasters erstellten die Informatiker eine Webplattform. Dieser liegt eine Datenbank zu Grunde, die alle Eingaben speichert und das Aufrufen von Entwicklungs- und Bildungsbereichen im Hinblick auf das Erstellen von Zeugnissen ermöglicht. Mit Hilfe der Datenbank können alle Informationen über einen Schüler an einer Stelle gesammelt und abgerufen werden. Jede Lehrkraft ist auf der Plattform registriert und meldet sich mit seinem Passwort an. Die Benutzeroberfläche ist selbsterklärend gestaltet, so dass keine Schulungsvoraussetzungen nötig sind. Auf dieser Oberfläche können alle Schülerzeugnisse von allen Lehrkräften aufgerufen und in der Schule oder auch von zu Hause aus bearbeitet werden. Zudem ist eine zeitgleiche Bearbeitung der Zeugnisse möglich. Der Webplattform liegt das ausgearbeitete Kompetenzraster zu Grunde. Kompetenzen, welche im Unterricht bedient wurden sowie im Schulalltag zu beobachten waren, werden mittels einer Skalierung bewertet und begründet. Auch befindet sich nach jedem Bildungsbereich ein weiteres Feld, um Bemerkungen und weitere Begründungen auszuführen. Nur die bewerteten und begründeten Kompetenzen werden automatisch an die PDF-Version gesendet und sind in der anschließenden Druckversion aufgeführt. Folglich sind nicht bewertete Kompetenzen in der Endfassung des Zeugnisses auch nicht zu lesen. Die anschließende Abbildung zeigt einen Auszug aus dem Zeugnis von Max Mustermann:

4.2 Evaluation

Die Evaluation des Zeugnisses fand mittels Fragebögen auf drei verschiedenen Ebenen statt: Lehrkräfte, Eltern und Schüler der Sonnenbergschule. Sinn der Evaluation war, die Qualität des Zeugnisses zu überprüfen und eine Rückmeldung zur Verbesserung und Weiterentwicklung zu bekommen. Dadurch war es möglich, zu einer Qualitätssicherung in der Schulentwicklung beizutragen. Mit der Ausgabe des Zeugnisses wurden Fragebögen an die Eltern und Lehrkräfte ausgeteilt. Um möglichst viele Informationen und Rückmeldungen einzuholen, wurden für die einzelnen Ebenen Fragen und/oder Aussagen formuliert.

Auf Lehrerebene bezogen sich die Fragen und Aussagen auf die Webplattform, das Layout des Zeugnisses und das Kompetenzraster. Für die Eltern wurden Fragen zum Layout, Zeugnisumfang, Aussagekraft der Kompetenzen mit Blick auf das eigene Kind, Verständlichkeit der Kompetenzformulierungen und zur Zufriedenheit formuliert.

Bei Eltern und Lehrkräften war anhand der positiven Rückmeldungen, über das kompetenzorientierte Zeugnis im Rasterformat eine deutliche Zufriedenheit zu spüren.

Die folgende Rückmeldung, einer Mutter soll dies an dieser Stelle deutlich machen: „Wir waren total beeindruckt über das neue Zeugnis. So detailliert und leicht zu verstehen, in welchen Bereichen unser Kind Fortschritte gemacht hat und kompetent ist und in welchen Bereichen unser Kind noch gefördert werden muss. Außerdem hat uns gut gefallen, dass die Bewertung durch kleine Bemerkungen und Begründungen ergänzt wird. Man kann es auf keinen Fall mit einem normalen Berichtszeugnis vergleichen. Vielen Dank dafür“. Lehrkräfte meldeten zurück, dass die Schüler kompetenzorientiert beurteilt werden können, das neue Zeugnisverfahren eine enorme Arbeitserleichterung sowie eine gute Grundlage für Förderplangespräche darstellt.

Eine Evaluation auf Schülerebene fand nach den Sommerferien in der SMV mit den neu gewählten Mitgliedern statt. Dies waren Schüler aus unterschiedlichsten Klassen. Die Fragen und/oder Aussagen des Fragebogens bezogen sich auf das Layout des Zeugnisses, Verständlichkeit der Kompetenzformulierungen, der Texte in den Bemerkungsfeldern und der Skalierung sowie das Erkennen der eigenen Kompetenzen. Die Schüler waren an dem Zeugnis sehr interessiert. Die Skalierung wurde von ihnen insofern verstanden, dass sie die Bewertung „trifft voll zu“ mit der Note 1,0 verglichen und „trifft noch nicht zu“ mit der Note 4,0. Dadurch war es ihnen auch möglich, bereits vorhandene und noch nicht vorhandene Kompetenzen aus der Skalierung abzulesen.

Um zu einer Qualitätssicherung und Weiterentwicklung des Zeugnisses beizutragen, wurden für das kommende Schuljahr Entwicklungsaufgaben für die Informatiker und Zeugnisgruppe definiert. Von Oktober bis Januar 2014 wurde das Zeugnis modifiziert und weiterentwickelt. Auf technischer Seite stand eine Überarbeitung und Weiterentwicklung der Webplattform an. Die Überarbeitung des Kompetenzrasters bezog sich auf Ergänzungen und die Überarbeitung des Bildungsbereichs Deutsch. Die Erarbeitung der Bildungsbereiche Bildende und Darstellende Kunst sowie Natur-Umwelt und Technik wurden innerhalb des Zeugnisses als Berichtsform belassen. Sowohl in der Zeugnisgruppe als auch im Kollegium wurde darüber erneut diskutiert und der Versuch gestartet, Kompetenzen für diese Bereiche zu formulieren. Durch die Komplexität der Bereiche gestaltete sich eine differenzierte Definition von Kompetenzen sehr schwierig. Eine allgemeine Formulierung von Kompetenzen entsprach nicht dem Verständnis eines kompetenzorientierten Zeugnisses.

4.3 Resümee

Die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema „Kompetenzorientierung“ brachte die Erkenntnis, dass in Bezug auf ein kompetenzorientiertes Bildungsverständnis in Zusammenhang mit der Entwicklung von Zeugnissen ein Nachdenken angeregt und eine Weiterentwicklung stattfinden sollte. An der Sonnenbergschule befasste sich das Kollegium bereits mit dem Gedanken der Neukonzeptionierung des Zeugnisses. Es folgte eine Entwicklung, welche Zeit, Engagement und auch Mut kostete. Letztlich konnte das Ziel eines Rasterformats mit abgestimmten Kriterien in Form von ausgearbeiteten Kompetenzen erreicht werden. Dies ermöglicht eine Individualisierung und Transparenz der Kompetenzen. Anhand der abgestimmten Kriterien ist es im kommenden Schuljahr 2014/15 möglich, die Kompetenzen von zwei Schuljahren eines Schülers zu vergleichen. Eine weitere Chance zeigt sich in Bezug auf Förderplangespräche. Anhand des Kompetenzrasters ist klar ersichtlich, in welchen Bereichen ein Schüler kompetent ist und in welchen Bereichen noch Förderbedarf besteht. Dahingehend können Förderziele entwickelt werden. Das Zeugnis kann nicht isoliert gesehen werden, sondern als Teil der Diagnostik, Förderplanung und des Unterrichts. Mit Blick auf die Entwicklungsphase kann gesagt werden, dass die anvisierten Ziele erreicht wurden. Mittels Evaluation des Zeugnisses auf Elternebene und auf Ebene des Kollegiums konnte die Qualität des Zeugnisses verbessert werden, indem eine Weiterentwicklung in Form einer Überarbeitung der Webplattform und inhaltliche Ergänzungen stattfanden. Aus der Evaluation auf Schülerebene resultierten weitere Fragen: Wie und wo können Schüler den Umgang mit Kompetenzrastern auch im Schulalltag üben? In welcher Form können die Selbstbeurteilungskompetenzen der Schüler gefördert werden? Mit diesen Fragen setzt sich das Kollegium der Sonnenbergschule derzeit auseinander.

4.4 Verwendete Literatur

Dieser Artikel wurde in der Zeitschrift: „Pädagogische Impulse“ im Juni 2014 veröffentlicht.

Bildungsplan für die Schule für Geistigbehinderte (2009): Schule für Geistigbehinderte. Ministerium für Kultus, Jugend und Sport in Zusammenarbeit mit dem Landesinstitut für Schulentwicklung. Stuttgart.

Bohl, Thorsten (2001): Theoretische Strukturierung: Voraussetzungen, Begründung, Gütekriterien. Seite 5-11. In: Grunder, Hans-Ulrich; Bohl, Thorsten; Broszat, Karin: Kurzversion des Forschungsberichts „Neue Formen von Leistungsbeurteilung an Sekundarstufen I und II“. Materialien Innere Schulentwicklung. Landesinstitut für Erziehung und Unterricht. Stuttgart. Vertrieb nur über das Internet: www.leu.bw.schule.de/allg/mainpuplikation/heft.htm (Stand: 28.11.2013).

Bohl, Thorstenv (2013): Leistungsbewertung bei neuen Lernformen. Theoretische Grundlagen- Rahmenkonzeption-Problembereiche. In: http://www.bildung-koeln.de/materialbibliothek/download/bohl_manuskript_koeln.pdf?idx=475907b35a112c627747b72e5a1d4ff8 (Stand: 20.11.2013)

Klein, Helmut (2009): Transparente Leistungsbewertung und Zensurgebung in der Sekundarstufe 1: umfassend, praxisorientiert, fair. Baltmannsweiler.

Landesinstitut für Schulentwicklung Baden Württemberg (2012): Mit Kompetenzrastern dem Lernen auf der Spur. NL 04. Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden Württemberg. Stuttgart. In: http://www.ls-bw.de/Handreichungen/pub_online/NL04_Mit_Kompetenzrastern_dem_Lernen_auf_der_Spur.pdf (Stand: 08.12.2013).

Meyenberg, Rüdiger (1997): Zensurengebung in der Schule. Eine Einführung in die Leistungsbeurteilung unter Schulrechtlichen Gesichtspunkten für Lehrkräfte und Eltern. 4. überarbeitete Auflage. Hannover.

Seminarunterlagen, Meckenbeuren (2013): Kompetenzen eine Annäherung, Einordnung, Ausblick. Kurs 41. Power Point Folie 12 von 35. Staatliches Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Standort Meckenbeuren

Slepcevic-Zach, Peter; Tafner, Georg (2012): Input- Output- Outcome: Alle reden von Kompetenzorientierung, aber meinen alle dasselbe? Seite 27-42. In: Paechter, Manuela u.a. Herausgeber (2012): Handbuch Kompetenzorientierter Unterricht. Weinheim und Basel.

Verband Sonderpädagogik (2013): Beurteilung von Schulleistungen, Zeugnisse und Rahmenpläne. Seite 1-8. In: http://www.verband-sonderpaedagogik.de/vds-mv/Anforderungen_5.6_5.7._27.08.12-1_n.pdf (Stand: 26.08.2013).

Verwaltungsvorschrift des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport Baden Württemberg (2009): Verwaltungsvorschrift über Zeugnisse, Halbjahresinformation und Schulbericht. Zeugnis der Schule für Geistigbehinderte. Erlassdatum vom 03.01.2002. Fassung vom 11.11.2009. In: http://www.landesrecht-bw.de/jportal/?quelle=jlink&query=VVBW-2210-KM19840703SF&psml=bsbawueprod.psml&max=true (Stand: 02.12.2013).

Weinert, Franz Emanuel (2002): Leistungsmessung in Schulen. 2. Unveränderte Auflage. Weinheim und Basel.